Lichtmess – zwischen Licht, Reinigung und alten Bildern über Weiblichkeit

Veröffentlicht am 6. Februar 2026 um 13:15

 

Hinweis vorab:

Dieser Beitrag beleuchtet Lichtmess aus einer historischen, persönlichen und körperlichen Perspektive. Dabei geht es auch um alte Bilder über Weiblichkeit, Reinheit und deren mögliche Nachwirkungen bis heute.

Der Text lädt zum Nachdenken ein, nicht zum Angreifen von Glauben oder Menschen. Nimm dir beim Lesen gern Pausen und spüre hinein, was sich für dich stimmig anfühlt.

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Der 2. Februar ist ein Tag mit vielen Namen: Lichtmess, Mariä Lichtmess, Mariä Reinigung oder Darstellung des Herrn oder auch das irische Fest Imbolc aus dem Jahreskreis (hier ist ein klarer Unterschied zu Lichtmess) 

 

Ein Fest, das heute oft mit Kerzen, Licht und dem Ende der Weihnachtszeit verbunden wird und doch eine Geschichte trägt, die tiefer geht. Eine Geschichte, die nicht nur von Licht erzählt, sondern auch von alten Vorstellungen über Reinheit, Körper und Weiblichkeit.

 

Und genau deshalb berührt dieses Fest viele Frauen bis heute auf eine besondere Weise, bewusst und unbewusst.

 

Die religiösen Wurzeln – Darstellung und Reinigung

 

Lichtmess hat seine Ursprünge in der jüdischen Tradition, aus der auch die biblische Erzählung stammt.

Nach damaligem religiösem Gesetz galt eine Frau nach der Geburt eines Kindes für eine bestimmte Zeit als rituell unrein. Nach der Geburt eines Jungen waren es vierzig Tage, bei einem Mädchen sogar achtzig Tage. Während dieser Zeit durfte sie bestimmte heilige Orte, wie den Tempel, nicht betreten.

Erst danach erfolgte ein Ritual der Reinigung. In der biblischen Geschichte bringen Maria und Josef ein Opfer dar, zwei Tauben, wodurch Maria symbolisch wieder in die religiöse Gemeinschaft aufgenommen wird.

Diese Vorstellung der rituellen Reinheit wurde später in das christliche Verständnis übernommen. Der Tag, an dem Maria den Tempel betrat, wurde zum kirchlichen Fest und erhielt den Namen „Mariä Reinigung“.

 

Wie sich diese Vorstellungen weitertrugen

 

Mit der Zeit vermischten sich religiöse Deutungen mit gesellschaftlichen Vorstellungen über Frauenkörper. Menstruation, Geburt und Sexualität wurden über Jahrhunderte hinweg nicht nur als natürliche Prozesse gesehen, sondern auch moralisch bewertet.

 

In manchen Regionen Europas gab es noch bis ins 20. Jahrhundert Segens oder Reinigungsrituale für Frauen nach der Geburt. Diese konnten sowohl als Schutz verstanden werden – aber auch als Zeichen dafür, dass eine Frau erst wieder „vollständig dazugehören“ durfte, nachdem ein bestimmtes Ritual vollzogen wurde.

 

Gleichzeitig entwickelte sich Lichtmess zu einem praktischen Wendepunkt im Jahreslauf: Die Weihnachtszeit endete, Krippen wurden abgebaut, Häuser gereinigt, Kerzen gesegnet. In manchen Gegenden gab es sogar feierliche „Krippenschließungen“.

 

So entstand ein Fest, das äußerlich vom Licht sprach und gleichzeitig eine Geschichte von Reinheit und Bewertung mit sich trug.

 

Was davon bis heute nachklingt

 

Viele dieser alten Regeln sind heute längst nicht mehr offiziell präsent.

Und doch wirken manche Bilder und Vorstellungen unterschwellig weiter:

die Idee, dass weibliche Körperprozesse „unangenehm“ oder „zu verstecken“ sind

Scham rund um Menstruation oder zyklische Veränderungen

der Druck, dauerhaft leistungsfähig zu sein – unabhängig von körperlichen Rhythmen

das Gefühl, sich vom eigenen Körper zu distanzieren statt ihn als natürlichen Teil des Lebens zu sehen

Nicht bewusst.

Nicht absichtlich.

Sondern als kulturelles Echo aus vielen Generationen.

 

Und unser Nervensystem merkt sich Erfahrungen nicht nur persönlich, sondern auch durch Erziehung, Sprache und gesellschaftliche Bilder, Weitergabe in unseren Zellen,.. . Viele Frauen spüren deshalb eine tiefe Spannung zwischen ihrem natürlichen Rhythmus und den Erwartungen im Außen.

 

Das bedeutet nicht, dass Beschwerden allein daraus entstehen.

Aber es kann beeinflussen, wie sicher oder fremd sich der eigene Körper anfühlt.

 

Lichtmess heute – ein neuer Blick auf ein altes Fest

 

Vielleicht liegt die heutige Kraft von Lichtmess darin, diese Geschichte bewusst anzuschauen ohne sie zu beschönigen und ohne in Kampf zu gehen.

Das Licht, das an diesem Tag entzündet wird, muss nichts reinigen.

Es kann auch ein Licht des Erinnerns sein:

daran, dass Körperprozesse nicht falsch sind

daran, dass Weiblichkeit nicht bewertet werden muss

daran, dass alte Geschichten nicht unsere Zukunft bestimmen

Vielleicht ist Lichtmess heute weniger ein Fest der Reinigung und mehr ein Moment der Rückverbindung.

Ein leises Aufrichten nach dem Winter.

Ein Innehalten zwischen Vergangenheit und neuem Verständnis.

 

Ein persönlicher Abschluss

 

Wenn wir heute Kerzen anzünden, dürfen wir das aus einer neuen Haltung tun. Bewusst wählen. Bewusst hineinfühlen und kommen lassen was kommen mag...Tränen, Wut, Ent-täuschung,...

 

Nicht um etwas an uns zu korrigieren, sondern um uns selbst wieder näher zu kommen.

Um alte Bilder zu erkennen…und gleichzeitig neue zu wählen.

Denn das Licht, das wir heute entzünden, erinnert uns daran, dass unser Körper nie unrein war. 💚

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