Vogelbeeren & die alte Frage, ob sie giftig sind...
Seit ein paar Wochen leuchten sie wieder überall... die Eberesche, Sorbus aucuparia, die ihr wohl eher als Vogelbeere kennt, hängt gerade voll mit diesen kleinen roten Früchten... dicht gebüschelt, kaum größer als ein Daumennagel, und irgendwie ziehen sie mich jedes Jahr aufs Neue an, wenn ich an ihnen vorbeigehe...
Der Name „aucuparia" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Vögel fangen"... früher hat man die Beeren tatsächlich als Lockmittel benutzt, um Vögel einzufangen... ein kleines Stück Geschichte, das in jeder Beere mitschwingt, wenn man weiß, wohin man schaut...
Und dann kommt sie immer wieder, diese eine Frage... sind Vogelbeeren nun giftig oder nicht? Ich höre sie ständig, und ich verstehe, warum... die Vorstellung hält sich hartnäckig, über Generationen weitergegeben, wahrscheinlich aus einer Zeit, in der das Wissen über Pflanzen und ihre Wirkstoffe noch nicht so zugänglich war wie heute... vermutlich haben Menschen die rohen Beeren probiert, bitter und sauer wie sie sind, und daraus ist über die Zeit ein Mythos geworden...
Roh sind sie tatsächlich nicht das, was man sich unter einem genussvollen Snack vorstellt... sie enthalten Parasorbinsäure, die für den bitteren, sauren Geschmack sorgt und bei Menschen zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann, in größeren Mengen sogar zu Nierenschädigungen... wie viel der Einzelne verträgt, ist von Mensch zu Mensch verschieden, deshalb rate ich euch: wilde Eberesche bitte nicht roh essen...
Kocht man die Beeren, verändert sich alles... die Parasorbinsäure wandelt sich in Sorbinsäure um, die ihr vielleicht als Konservierungsmittel E 200 kennt, und plötzlich schmecken die Früchte deutlich milder und angenehmer... wer lieber wartet, kann auch nach dem ersten Frost ernten, dann sinkt der Säuregehalt von allein... dafür teilt man sich die Beeren dann eher mit den Vögeln und anderen Tieren, die genauso gern zugreifen, und der Vitamin-C-Gehalt nimmt etwas ab...
Aus ihr könnt ihr Vogelbeeren-Gelee, Marmelade, Saft oder Chutney machen, pur oder gemeinsam mit anderen Früchten... ein kleiner Tipp aus der Praxis: die Kerne enthalten besonders viel Parasorbinsäure, deshalb passiere ich die gekochten Früchte immer durch ein feines Sieb, bevor es weitergeht...
Und dabei stecken in den Eberesche-Beeren viel gutes... etwa 100 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm, das Doppelte einer Zitrone... dazu Provitamin A, Pektine, Gerbstoffe, Farbstoffe und Zuckeralkohole... rund sechs Gramm Ballaststoffe, etwa zehn Gramm Zucker auf 100 Gramm... eine kleine Frucht mit ziemlich viel Kraft...
Die Bäume selbst können bis zu 20 Meter hoch wachsen, was das Ernten manchmal zur kleinen Herausforderung macht... in höheren Lagen oder kälteren Regionen bleibt die Eberesche oft eher strauchartig, und dann lässt sich viel leichter pflücken... achtet bitte darauf, wo ihr sammelt... Ebereschen wachsen gern an Straßenrändern und in Städten, weil sie so widerstandsfähig gegenüber Schadstoffen sind, aber genau deshalb würde ich dort nicht ernten...
Wichtig auch: Vogelbeeren halten sich nicht lange, also verarbeitet sie am besten zeitnah nach der Ernte...
Eine Besonderheit, die ich euch nicht vorenthalten möchte, ist die Süße Eberesche, Sorbus aucuparia var. edulis, manchmal auch Mährische Eberesche genannt... sie wurde im 19. Jahrhundert in Nordmähren entdeckt und bringt größere, mildere Beeren hervor, mit mehr Zucker und mehr Vitamin C... diese kann man sogar roh essen, sie erinnern dann geschmacklich fast an Preiselbeeren... es gibt mittlerweile einige Züchtungen davon für den eigenen Garten...
Ich würde mich freuen, wenn ihr mir erzählt: habt ihr schon einmal mit der Vogelbeere gearbeitet? Was habt ihr daraus gemacht?
Teilt es gerne mit mir in den Kommentaren...💚🌿
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