Die Magie der Vogelbeere: Räuchern mit einer geheimnisvollen Kraft

Veröffentlicht am 13. September 2024 um 15:29

Die Magie der Vogelbeere

Räuchern mit der Eberesche

Wenn man dieser Tage durch die Natur geht, fällt sie einem fast zwangsläufig ins Auge...die Vogelbeere, auch Eberesche genannt, mit ihren leuchtenden Früchten, die schon zwischen dem noch grünen Laub deutlich hervorstechen. Ihre Beeren gehören für mich zu den schönsten Zeichen dafür, dass sich die Natur langsam in Richtung Herbst bewegt, auch wenn ringsherum noch längst nicht alles herbstlich aussieht.

Die Eberesche begegnet uns in zahlreichen europäischen Überlieferungen als Schutzpflanze...in germanischen, schottischen, schwedischen und anderen europäischen Bräuchen wurden Zweige, Früchte und Holz mit dem Schutz von Mensch und Tier vor Krankheit, Unheil und bösen Kräften verbunden. Immer wieder taucht dieses Motiv auf: Sie sollte das Böse auf Abstand halten und bewahren, was ihr anvertraut wurde.

Durch die Hitze beim Räuchern verändert sich vieles... Rauch verteilt ihren Duft im Raum und wir nehmen ihn über unsere Sinne wahr. Gleichzeitig bringen wir aber auch all das mit in ein Räucherritual, was wir mit einer Pflanze verbinden...ihre Geschichte, ihre überlieferten Bedeutungen und unsere ganz persönliche Wahrnehmung.

Bei der Vogelbeere denke ich beim Thema Schutz nicht an etwas, das uns von allem fernhalten soll, wie eine Blase, sondern eher an eine bewusste Grenze zwischen dem, was zu uns gehört, und dem, was von außen auf uns einwirkt. Gerade wenn uns etwas belastet oder bestimmte Themen immer wieder zurückkehren, kann das ein Hinweis sein, dass dort noch etwas angeschaut und verarbeitet werden möchte. Ein Räucherritual kann dabei einen Rahmen schaffen, um innezuhalten, wahrzunehmen, was gerade da ist, und sich diesem Prozess hinzugeben.

Gleichzeitig verbinde ich die Vogelbeere mit Klarheit. Nicht mit der schnellen Antwort auf eine Frage, sondern mit dem allmählichen Erkennen dessen, was wirklich da ist. Wenn Zweifel und Unsicherheit viel Raum einnehmen, kann es helfen, Dinge einmal aus etwas mehr Abstand zu betrachten und wieder unterscheiden zu können:

Was ist tatsächlich meines?

Was habe ich übernommen?

Was fühlt sich noch stimmig an und was nicht mehr?

Für mich liegt darin ihre besondere Qualität...nicht darin, uns Entscheidungen abzunehmen, sondern darin, uns dabei zu unterstützen, genauer hinzusehen.

Und dann ist da noch ihre Verbindung zu den Wurzeln und zu den Ahnen. In unterschiedlichen Traditionen wurde die Eberesche mit den Verstorbenen, der Totenruhe und dem Schutz vor dem Unheimlichen verbunden. Deshalb macht sie für mich auch in der Ahnenarbeit Sinn...nicht, weil sie automatisch einen Kontakt zu unseren Vorfahren herstellen würde, sie ist auch keine typische Ahnenpflanze wie Holunder, Beifuß,... sondern weil sie uns begleiten kann, wenn wir uns mit unserer eigenen Herkunft auseinanderzusetzen. Mit den Menschen, die vor uns waren, mit ihren Geschichten und Erfahrungen, aber auch mit dem, was davon vielleicht bis heute in einer Familie weiterwirkt.

Manchmal tragen wir Dinge weiter, ohne zu wissen, woher sie kommen. Manche Muster gehören schon seit Generationen zu einer Familie, andere Erfahrungen haben uns geprägt, obwohl wir sie selbst gar nicht erlebt haben. Und manchmal kann es hilfreich sein, genau dort hinzuschauen:

Was gehört wirklich zu mir?

Was möchte ich aus meiner Herkunft bewahren?

Und was darf vielleicht bei mir enden?

Für solche Prozesse empfinde ich die Vogelbeere als eine schöne Begleiterin...💚

Auch beim Räuchern selbst zeigt sie eine ganz eigene Seite. Ihre Früchte sind herb und bitter, und genau das spiegelt sich auch in ihrem Räuchercharakter...man sollte hier eher keine süße Note erwarten. Sie bringt eine eigene, kräftige Qualität mit und muss deshalb meiner Erfahrung nach nicht in großen Mengen eingesetzt werden. Sie lässt sich auch mit anderen Pflanzen verbinden, etwa mit Wacholder oder anderen heimischen Räucherpflanzen, je nachdem, worum es im Ritual geht. Dabei finde ich es spannend, nicht nach einer festen Rezeptur zu arbeiten, sondern wahrzunehmen, welche Pflanzen sich miteinander stimmig anfühlen und welche Qualität die Mischung am Ende bekommt.

Genau das liebe ich an der Arbeit mit Pflanzen: Es gibt Überlieferungen, Erfahrungswissen und bestimmte Zuordnungen, die uns einen Zugang ermöglichen...aber daneben gibt es immer auch die eigene Begegnung, und die kann ganz anders aussehen.

Vielleicht nimmst du bei der Vogelbeere vor allem ihren Schutzaspekt wahr...vielleicht führt sie dich zu deinen Wurzeln oder zu einem Thema aus deiner Familiengeschichte...vielleicht empfindest du ihren Rauch als klärend oder stärkend...oder vielleicht berührt dich etwas ganz anderes an ihr.

Wenn du das nächste Mal an einer Vogelbeere vorbeikommst, bleib ruhig einmal stehen und schau sie dir genauer an...die leuchtenden Früchte, die gefiederten Blätter, die Form des Baumes. Sie ist nicht einfach nur ein Baum mit Beeren am Wegesrand, sondern hat Menschen über lange Zeit begleitet und ihre Spuren in Geschichten, Bräuchen und Überlieferungen hinterlassen. Denn Schutz bedeutet eben nicht nur, sich zu verschließen...er bedeutet auch, die eigenen Wurzeln zu kennen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und klarer zu erkennen, was wir mitnehmen möchten und was wir zurücklassen dürfen.

Vielleicht ist sie deshalb gerade für Übergänge eine schöne Begleiterin...wenn etwas Altes sich verändert, wenn wir Platz für Neues schaffen oder wenn wir uns wieder stärker mit uns selbst und unserer Herkunft verbinden möchten. Auch für den Übergang von Sommer zu Herbst, für Samhain oder die Rauhnächte.

Hast du bereits mit Vogelbeere geräuchert? Wie hast du sie wahrgenommen? Hat sie bei dir eine bestimmte Stimmung oder Erinnerung ausgelöst?

Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen mit der Vogelbeere mit mir teilst. 💚🌿


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Kommentare

Judith
Vor 5 Monate

Dein Text hat mich sehr berührt. Die Vogelbeere begleitet mich schon lange. Und ich liebe einfach ihee orangerote Beeren. Vor ein paar Jahren habe ich sie angefangen zu räuchern und bestimmt habe ich auch mal ihre Bedeutung nachgeschlagen. Und wieder vergessen. Du hast mich gerade erinnert. Danke.

Judith Blödorn
Vor einem Monat

Ich liebe sie sehr und habe sich auch geräuchert. Aber am allerschönsten, finde ich ihren Anblick im Spätsommer/Herbst, wenn die orangenen Früchte vor dem blauen, wolkenlosen Himmel strahlen. Darin ist so eine Klarheit und Lebendigkeit, so wie Du schreibst. Ich genieße dann den Augenblick und die Schönheit, die sich mir bietet, ohne, dass ich etwas daraus machen muss, auch wenn sich ein kleiner Teil dann immmer fragt: Aus denen kann man doch auch Marmelade machen?" :D